Nikolai Kondratieffs Theorien über die langen Wellen sind packend und bestechen durch empirische Evidenz. In einem Artikel in der ‘FuW’ vom 20. September 2008 (Seite 25) wurde wieder einmal darauf aufmerksam gemacht. Ganz grob lässt sich die Theorie wie folgt zusammenfassen:
- Eine Erfindung mit grosser Auswirkung auf ökonomische Realitäten wird geboren. (z.B. Eisenbahn [kürzerer Transport], elektrischer Strom [Energieübertragung], Computer [Informationsverarbeitung]). Die Erfindung entspringt stets einem Mangel.
- Geld fliesst in dieses neue Gebiet und lässt es zu einem Allgemeingut werden. Hohe Renditen und rasches Wachstum zeichnen diese Phase aus. Die Wirtschaft blüht.
- Dazwischen sind kurze Crashs möglich (Generationenwechsel der Basisinnovation)
- “Es ist vollbracht”. Weitere Investitionen sind nicht mehr nötig. Die Renditen fallen gegen Null. Das Geld sucht sich neue Orte und es entstehen Übertreibungen (Bubbles), die üblicherweise in einem Crash enden.
- Nachdem aufgeräumt wurde, sucht das Geld von Neuem die Innovation und ein neuer Zyklus beginnt.
Wo stehen wir heute? Wie geht es weiter?
Kondratieff schrieb, an den kanppen Produktionsfaktoren entstehen die Märkte von morgen. Wo also sind die grössten relativen Knappheiten? Überlegen Sie sich selbst, woran es heute am meisten fehlt, dass wir unsere Dienstleistungen nicht produktiver erbringen können?
Das Hörbuch “Der Wohlstand kommt in langen Wellen” beschreibt die Lage gut:
Kaum mehr zu übersehen, befinden wir uns gerade wieder in einer Umbruchsituation. Die Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz des Computers sind im Wesentlichen erreicht. Weiter können die Abläufe nicht optimiert werden, es sei denn …. die Menschen ändern ihr Verhalten im Umgang mit der Technik.
Denn obwohl wir faktisch in einer Informationsgesellschaft leben, ist der größte Engpass für eine weitere Entwicklung das noch durch das Industriezeitalter geprägte Denken und Informationsverhalten der Menschen.
Um den nächsten Sprung zu schaffen, ist ein kooperatives Miteinander notwendig, ein endloser Wissensdurst und ein völlig anderes Herangehen an Probleme. Es sind Menschen gefragt, die ein hohes (Fach-)Wissen mit anderen teilen können, und so zu neuen Entwicklungen beitragen. Entwicklungssprünge sind dann möglich, die – ähnlich wie die Dampfmaschine einst – wieder sämtliche Branchen verändern und weiterbringen können.
Die technologischen Voraussetzungen – frei zugängliche Informationen, weltweite Vernetzung und der schnelle Zugriff auf Fachwissen – ist vorhanden. Es wird allerdings noch dauern, bis es genügend geeignet ausgebildete Menschen gibt, die diese Potenziale nutzen.
Stimmt. Die Tools für das kooperative Miteinander sind in Entwicklung, wir nennen sie “social media”. Doch wie viele nutzen diese Tools schon heute, kennen sich damit aus, ziehen einen Vorteil daraus? Es sind erst sehr wenige. Wo ist also der Mangel, die Knappheit?
Das Einzige, was knapp sein wird, sind gebildete Menschen und ihre Problemlösungs-Wertschöpfung. Die gewinnträchtigste Investition ist die Investition in Menschen.