Seit über einem halben Jahr wird der Micropaymentdienst Flattr nun eifrig in der deutschsprachigen Blogosphäre eingesetzt. Immer deutlicher wird: Nutzer belohnen über Flattr primär Meinung und Kreativität, weniger Aufwand und Tiefe von Inhalten.
— Wie man für ein Butterbrot Tausende von Lesern gewinnt: — Mit einer Textanzeige auf netzwertig.com. Schluss mit Pageimpressions, TKP und CPC: für weniger als 35 Euro erscheint Ihr Text in drei Artikeln an dieser Stelle und erreicht dreimal über 22`000 interessierte Leser. — Textanzeige —

Während des Verfassens meiner Analyse über die Eigenheit des Social-Web-Schwarms,
nicht immer der beste Qualitätsindikator für Inhalte im Netz zu sein, spielte ich kurz mit dem Gedanken, auch
Flattr in meine Beobachtung mit einzubeziehen. Allerdings entschied ich mich dagegen, denn selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen der Tweet-, Like- und Flattr-Bereitschaft gäbe, so spielt die Anzahl von Flattr-Klicks momentan bei Diensten zur Aggregation von im Web populären Inhalten noch keine Rolle.
Ein aktueller Blogeintrag der taz veranlasst mich aber dazu, dass Thema nun doch noch einmal aufzugreifen: diesmal nicht aus der Perspektive der Social-News-Aggregatoren, sondern in Hinsicht auf Flattr und dessen Fähigkeit, eine nachhaltige Lösung zu bieten, um Onlineinhalte im Web (teilweise)
refinanzieren zu können.
In meinem Beitrag stellte ich fest, dass das beste Social-Media-Potenzial häufig die Inhalte besitzen, in die am wenigsten Arbeit gesteckt wurde. Natürlich ist dies absichtlich überspitzt und ich mache an anderer Stelle auch deutlich, dass dies nicht heißt, dass qualitativer Content (= interessanter Content, in dessen Erstellung viel Zeit investiert wurde) nicht auch fleißig bei
Twitter und
Facebook weiterempfohlen wird. Unterstreichen will ich mit dieser Aussagen jedoch die Tatsache, dass eben auch ein Posting, das in seiner Anfertigung nicht mehr als 15 Minuten in Anspruch genommen hat, zum meistgelesenen Artikel in der Twittersphäre avancieren kann.
Interessanterweise zieht die taz im erwähnten Blogbeitrag ein sehr ähnliches Fazit, allerdings nicht im Hinblick auf die “Sharability” ihrer Artikel, sondern auf die Bereitschaft der Nutzer, sich für Texte mit einem Flattr-Klick zu bedanken – die
taz gehört zu den wenigen etablierten Zeitungsmarken, die bisher mit dem schwedischen Service experimentieren. Die taz stellt fest:
“Bei der Auswertung der Leser-Klicks zeigt sich, dass die besthonorierten Artikel weiterhin nicht die sind, die den meisten Aufwand mit sich bringen, besonders investigativ sind oder besonders tiefgehend. Spitzenreiter war im September ein Interview mit zwei Kleingewerbetreibenden aus Hamburg-Ottensen, das in der Nord-Lokalausgabe der taz erschien und in dem die beiden erklären, warum sie in ihren Geschäften die BILD-Zeitung nicht mehr verkaufen. Der Text wurde 318-mal geflattert und brachte 132,94 Euro ein – er ist damit mit großem Abstand der bestgeflatterte taz-Text aller Zeiten.”
Ein Blick auf die von Carta erhobenen Charts
der meistgeflatterten Beiträge aus dem deutschsprachigen Raum im September offenbart ebenfalls,
dass es keinen Zusammenhang zwischen dem offensichtlich investierten Aufwand zur Erstellung eines Textes und dessen Popularität bei Flattr gibt.
Zwar rangieren auch einige Veröffentlichungen in den Flattr-Charts, die augenscheinlich viel Zeit und Muße gekostet haben – so beispielsweise “
Die Debattenkultur bei Zeit Online und Sueddeutsche.de – ein Vergleich” – Meinungslastige Kurz-Postings wie “
Das BKA, die Zugriffs-Entzugs-Behörde“, “
Mit Googles Riesenfröschen durch Raum & Zeit” oder “
Der Wert der Bildung: 1,39 €” überwiegen jedoch, erhielten in einem Monat Flattr-Klicks im dreistelligen Bereich und platzieren sich ganz oben in den Flattr-Charts. Die Toplisten aus den Vormonaten
zeichnen ein ähnliches Bild.
Wo liegt nun das Problem? Kommen kurze, knackige Beiträge grundsätzlich besser an als lange, komplexe und tief in die Materie einsteigende? Sind Blogger und Journalisten Schuld, weil sie zu wenig Zeit in ihre Inhalte investieren und zu oft ihre eigene Meinung publizieren? Ist Flattr nicht strikt genug, was Regeln betrifft, welche Inhalte überhaupt mit einem Flattr-Button versehen werden dürfen? Nein, nein und nein.
Das Problem, sofern man es als solches bezeichnen möchte, sind – wie schon beim Thema der Social News – wir alle, also die User selbst:
Denn Flattr-Nutzer belohnen – so verdeutlichen es die Erkenntnis der taz sowie das Flattr-Ranking von Carta – Meinung und Kreativität, aber nicht notgedrungen Aufwand, Tiefe und Informationsgehalt, sprich Qualität. Natürlich kann ein meinungsstarker, kompakter Blogpost auch als qualitativ hochwertig wahrgenommen werden – offensichtlich wird Meinung jedoch höher gewichtet als Aufwand und Qualität, denn sonst sähen die Flattr-Charts anders aus.
Die oben verlinkten Beispiele zeigen, worauf es ankommt: Die jeweilige Zielgruppe muss sich emotional angesprochen fühlen. Das geschieht in der Regel durch starke Meinungen, mit denen sich die Leser identifizieren können, nicht durch langwierige Analysen zu Themen, die zwar wichtig, aber kaum geeignet für den virtuellen Stammtisch sind. Da machen sich pointierte Posts zu Zensurvorwürfen, Medienpannen oder politischen Entgleisungen sehr viel besser. Im Extremfall
reicht das fast kommentarlose Abbilden eines Screenshots, um die Stimmungslage der Leserschaft einzufangen und sie zu einem spontanen “Danke” über Flattr zu veranlassen.
Ist das nun schlecht? Überhaupt nicht. Aber es ist
nach dem guten Start von Flattr eine ernüchternde Erkenntnis für diejenigen, die in dem Service eine eventuelle Refinanzierungsform für ihren Content sahen, aber nicht in stark emotional besetzten Nischen aktiv sind. Dort scheint Flattr bisher am besten zu funktionieren. Ob dies immer so bleiben wird, liegt in den Händen der Nutzer. Ob diese aber aus ihrer Haut können, ist offen.
P.S. Bei Blogwerk liegen die Flattr-Einnahmen relativ konstant bei rund 200 Euro monatlich, netzwertig.com trägt in etwa die Hälfte zum Flattr-Umsatz bei.
Dieser Text ist mir was wert:
SPONSOREN


Seit über einem halben Jahr wird der Micropaymentdienst Flattr nun eifrig in der deutschsprachigen Blogosphäre eingesetzt. Immer deutlicher wird: Nutzer belohnen über Flattr primär Meinung und Kreativität, weniger Aufwand und Tiefe von Inhalten.
— Wie man für ein Butterbrot Tausende von Lesern gewinnt: — Mit einer Textanzeige auf netzwertig.com. Schluss mit Pageimpressions, TKP und CPC: für weniger als 35 Euro erscheint Ihr Text in drei Artikeln an dieser Stelle und erreicht dreimal über 22`000 interessierte Leser. — Textanzeige —
Während des Verfassens meiner Analyse über die Eigenheit des Social-Web-Schwarms, nicht immer der beste Qualitätsindikator für Inhalte im Netz zu sein, spielte ich kurz mit dem Gedanken, auch Flattr in meine Beobachtung mit einzubeziehen. Allerdings entschied ich mich dagegen, denn selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen der Tweet-, Like- und Flattr-Bereitschaft gäbe, so spielt die Anzahl von Flattr-Klicks momentan bei Diensten zur Aggregation von im Web populären Inhalten noch keine Rolle.
Ein aktueller Blogeintrag der taz veranlasst mich aber dazu, dass Thema nun doch noch einmal aufzugreifen: diesmal nicht aus der Perspektive der Social-News-Aggregatoren, sondern in Hinsicht auf Flattr und dessen Fähigkeit, eine nachhaltige Lösung zu bieten, um Onlineinhalte im Web (teilweise) refinanzieren zu können.
In meinem Beitrag stellte ich fest, dass das beste Social-Media-Potenzial häufig die Inhalte besitzen, in die am wenigsten Arbeit gesteckt wurde. Natürlich ist dies absichtlich überspitzt und ich mache an anderer Stelle auch deutlich, dass dies nicht heißt, dass qualitativer Content (= interessanter Content, in dessen Erstellung viel Zeit investiert wurde) nicht auch fleißig bei Twitter und Facebook weiterempfohlen wird. Unterstreichen will ich mit dieser Aussagen jedoch die Tatsache, dass eben auch ein Posting, das in seiner Anfertigung nicht mehr als 15 Minuten in Anspruch genommen hat, zum meistgelesenen Artikel in der Twittersphäre avancieren kann.
Interessanterweise zieht die taz im erwähnten Blogbeitrag ein sehr ähnliches Fazit, allerdings nicht im Hinblick auf die “Sharability” ihrer Artikel, sondern auf die Bereitschaft der Nutzer, sich für Texte mit einem Flattr-Klick zu bedanken – die taz gehört zu den wenigen etablierten Zeitungsmarken, die bisher mit dem schwedischen Service experimentieren. Die taz stellt fest:
“Bei der Auswertung der Leser-Klicks zeigt sich, dass die besthonorierten Artikel weiterhin nicht die sind, die den meisten Aufwand mit sich bringen, besonders investigativ sind oder besonders tiefgehend. Spitzenreiter war im September ein Interview mit zwei Kleingewerbetreibenden aus Hamburg-Ottensen, das in der Nord-Lokalausgabe der taz erschien und in dem die beiden erklären, warum sie in ihren Geschäften die BILD-Zeitung nicht mehr verkaufen. Der Text wurde 318-mal geflattert und brachte 132,94 Euro ein – er ist damit mit großem Abstand der bestgeflatterte taz-Text aller Zeiten.”
Ein Blick auf die von Carta erhobenen Charts der meistgeflatterten Beiträge aus dem deutschsprachigen Raum im September offenbart ebenfalls, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem offensichtlich investierten Aufwand zur Erstellung eines Textes und dessen Popularität bei Flattr gibt.
Zwar rangieren auch einige Veröffentlichungen in den Flattr-Charts, die augenscheinlich viel Zeit und Muße gekostet haben – so beispielsweise “Die Debattenkultur bei Zeit Online und Sueddeutsche.de – ein Vergleich” – Meinungslastige Kurz-Postings wie “Das BKA, die Zugriffs-Entzugs-Behörde“, “Mit Googles Riesenfröschen durch Raum & Zeit” oder “Der Wert der Bildung: 1,39 €” überwiegen jedoch, erhielten in einem Monat Flattr-Klicks im dreistelligen Bereich und platzieren sich ganz oben in den Flattr-Charts. Die Toplisten aus den Vormonaten zeichnen ein ähnliches Bild.
Wo liegt nun das Problem? Kommen kurze, knackige Beiträge grundsätzlich besser an als lange, komplexe und tief in die Materie einsteigende? Sind Blogger und Journalisten Schuld, weil sie zu wenig Zeit in ihre Inhalte investieren und zu oft ihre eigene Meinung publizieren? Ist Flattr nicht strikt genug, was Regeln betrifft, welche Inhalte überhaupt mit einem Flattr-Button versehen werden dürfen? Nein, nein und nein.
Das Problem, sofern man es als solches bezeichnen möchte, sind – wie schon beim Thema der Social News – wir alle, also die User selbst: Denn Flattr-Nutzer belohnen – so verdeutlichen es die Erkenntnis der taz sowie das Flattr-Ranking von Carta – Meinung und Kreativität, aber nicht notgedrungen Aufwand, Tiefe und Informationsgehalt, sprich Qualität. Natürlich kann ein meinungsstarker, kompakter Blogpost auch als qualitativ hochwertig wahrgenommen werden – offensichtlich wird Meinung jedoch höher gewichtet als Aufwand und Qualität, denn sonst sähen die Flattr-Charts anders aus.
Die oben verlinkten Beispiele zeigen, worauf es ankommt: Die jeweilige Zielgruppe muss sich emotional angesprochen fühlen. Das geschieht in der Regel durch starke Meinungen, mit denen sich die Leser identifizieren können, nicht durch langwierige Analysen zu Themen, die zwar wichtig, aber kaum geeignet für den virtuellen Stammtisch sind. Da machen sich pointierte Posts zu Zensurvorwürfen, Medienpannen oder politischen Entgleisungen sehr viel besser. Im Extremfall reicht das fast kommentarlose Abbilden eines Screenshots, um die Stimmungslage der Leserschaft einzufangen und sie zu einem spontanen “Danke” über Flattr zu veranlassen.
Ist das nun schlecht? Überhaupt nicht. Aber es ist nach dem guten Start von Flattr eine ernüchternde Erkenntnis für diejenigen, die in dem Service eine eventuelle Refinanzierungsform für ihren Content sahen, aber nicht in stark emotional besetzten Nischen aktiv sind. Dort scheint Flattr bisher am besten zu funktionieren. Ob dies immer so bleiben wird, liegt in den Händen der Nutzer. Ob diese aber aus ihrer Haut können, ist offen.
P.S. Bei Blogwerk liegen die Flattr-Einnahmen relativ konstant bei rund 200 Euro monatlich, netzwertig.com trägt in etwa die Hälfte zum Flattr-Umsatz bei.
Dieser Text ist mir was wert:
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